Wie Schweizerdeutsch mit deutschen Vokalen spielt
B1 German Hörübung · Deutsch · Passend für alltagssichere Lernende
Warum sagt man im Schweizerdeutschen „Hus“ statt „Haus“?
Im Standarddeutschen hat sich aus einzelnen alten Vokalen allmählich ein gleitender Zweilaut entwickelt, ein Diphthong. Das passierte beim spätmittelalterlichen Übergang zum Neuhochdeutschen. Das Schweizerdeutsche ist diesen Weg nicht mitgegangen und hat die alten Einzelvokale behalten. Das au in Haus bleibt also ein einfacher Vokal und wird zu Hus; das ei in Zeit wird zu Zit. Das Muster ist durchgängig, aber Schweizerdeutschsprachige sagen dir gerne, dass es keine Regeln gibt.
Der Clip inszeniert das als eine streitende Lektion: Eine Schweizer Person erklärt, dass zwei aufeinanderfolgende Vokale, im Standarddeutschen Diphthong oder Doppellaut genannt, im Schweizerdeutschen einfach zu einem Doppelbuchstaben werden. „Haus, Hus – ne?“ Die Reaktion der Deutsch lernenden Person („Was soll denn die Scheiße?“) ist die ehrliche Antwort einer Lernenden. Die Regel hat ihre Grenzen: Die Schweizer Lehrkraft räumt ein, dass zweisilbige Wörter wie Radio sich nicht immer daran halten, und zuckt dann mit den Schultern: „Wir haben doch keine Regeln.“ Für Lernende sind die Paare Haus/Hus und Zeit/Zit der klarste Einstieg, um zu verstehen, warum das Schweizerdeutsche für standarddeutsche Ohren so gedrungen klingen kann.