Aufwachsen auf einer einsamen Nordseeinsel als Teenager
B1 German Hörübung · Deutsch · Passend für alltagssichere Lernende
Was bedeutet „gottlos“ in der deutschen Umgangssprache?
Gottlos bedeutet wörtlich „gottlos“ — in der Alltagssprache, besonders bei jüngeren Sprechenden, löst sich das Wort aber völlig von der Religion und wird zu einem schlichten Intensivierer für alles, was trostlos, düster oder einfach nur furchtbar ist. Wenn ein Teenager den Winter auf einer Nordseeinsel als gottlos beschreibt, macht er keine theologische Aussage, sondern greift nach dem stärksten Wort, das dieses Gefühl der Ödnis einfängt. Die religiöse Wurzel schwingt nur noch als Schatten mit und verleiht dem Wort zusätzliches Gewicht.
Als umgangssprachlicher Intensivierer hat das Wort eine schwarzhumorige Note — die Art Übertreibung, die in lockeren Gesprächen gut funktioniert. Wiktionary vermerkt, dass es für schlechte Musik, schlechtes Wetter oder eine blöde Situation stehen kann: „Die Musik is' so gottlos hier!“ („Die Musik hier ist einfach furchtbar!“). In diesem Clip fasst die sechzehnjährige Shaheen das Inselleben mit „im Winter ist es einfach gottlos“ zusammen — ein einziges Wort, das Einsamkeit, Dunkelheit und Isolation in einen unvergesslichen Satz presst.